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Legenden und mythen Armeniens

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Calendar 07 Jan, 2026 Calendar 9-11 Min. Calendar 29 mal
Bewertung: 5
Nützliche Informationen Kultur und Feiertage
Legenden und mythen Armeniens
Armenien wird oft als Freilichtmuseum bezeichnet, als Land der Klöster und Berge. Doch unter diesem vertrauten Bild verbirgt sich ein anderes Armenien, geprägt von Mythen, Legenden und Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
Jeder Gipfel, jeder Stein und jedes Kloster birgt eine Geschichte, die an eine Zeit erinnert, in der Geschichte und Mythos untrennbar miteinander verbunden waren.
Die Berge hüten uralte Geheimnisse, während die Tempel Legenden bewahren, die noch immer durch die Jahrhunderte nachhallen. Für Reisende verleihen diese Geschichten jedem Ort neue Bedeutungsebenen und verwandeln alte Mauern und Landschaften in Stimmen aus der Vergangenheit.

Kommen Sie mit uns auf eine Entdeckungsreise zu den Legenden und Mythen der Berge und Tempel Armeniens und sehen Sie, wie diese Erzählungen bis heute die Sicht der Armenier auf ihre Heimat prägen.

Berg Ararat: das biblische Symbol

Kein Symbol repräsentiert Armenien stärker als der majestätische Berg Ararat. Laut der Bibel kam hier die Arche Noah nach dem Rückgang der Flutgewässer zur Ruhe, und von hier aus begann die Menschheit von Neuem. Für die Armenier verkörpert Ararat Hoffnung und Wiedergeburt. Seine beiden Gipfel (einer höher, einer kleiner) werden oft als Symbol von Elternteil und Kind gesehen und spiegeln die Widerstandskraft und Kontinuität Armeniens wider.
Obwohl Ararat sich direkt jenseits der Grenze in der heutigen Türkei befindet, dominiert er den armenischen Horizont, und seine schneebedeckte Silhouette ist tief in der nationalen Identität verankert. Armenische Legenden: Geheimnisse von Bergen und Tempeln: Berg Ararat

Berg Ararat

Reisetipp: Der ikonischste Blick auf den Ararat eröffnet sich vom Kloster Chor Virap, wo der Berg dramatisch hinter der alten Kirche aufragt. In Eriwan bieten Dachcafés wunderschöne Ausblicke, wenn sich die Gipfel in Rosa- und Violetttöne färben.
Wussten Sie schon? Ararat ist auf dem Staatswappen Armeniens abgebildet und unterstreicht seine kulturelle und spirituelle Bedeutung.

Berg Aragats: die vier Gipfel von Licht und Schatten

Der mächtige Berg Aragats, der höchste Berg Armeniens, ist seit langem von Mythen umgeben. Eine Geschichte erzählt von Ararat und Aragats als Brüdern, die vom Schicksal unterschiedlich gesegnet wurden. Ararat erhielt Weinberge und fruchtbare Länder, während Aragats, von Eifersucht erfüllt, karg blieb. Eine andere Legende sieht die vier Gipfel des Aragats als Symbole des Kampfes zwischen Licht und Dunkelheit.
Auf seinem Gipfel, so die Legende, bilden die Tränen des Berges Quellen, die die Flüsse darunter speisen. Für die Armenier ist Aragats zugleich eine Herausforderung zum Besteigen und eine Erinnerung an das Gleichgewicht des Lebens zwischen Härte und Schönheit. Armenische Legenden: Geheimnisse von Bergen und Tempeln: Berg Aragats

Berg Aragats

Reisetipp: Aragats ist ein beliebtes Ziel für Sommerwanderungen. An seinen Hängen befinden sich die Festung Amberd aus dem VII. Jahrhundert sowie die kleine, aber schöne Kirche Vahramashen. Beide stehen als stille Zeugen jahrhundertelanger Legenden und Geschichte.
Wussten Sie schon? Auf Armenisch bedeutet "Aragats" "Thron des Ar[a]" und wird oft mit Ara dem Schönen in Verbindung gebracht, einem legendären König, dessen Geschichte mit der armenischen Mythologie verwoben ist.

Sewansee: die schlafenden Gewässer

Hoch in den armenischen Bergen liegt das Juwel Armeniens – der Sewansee. Seine Legende beginnt mit einer vergessenen Quelle. Vor langer Zeit war das Tal fruchtbar und voller Leben, doch als ein junges Mädchen das Quellentor offenließ, brach das Wasser hervor, überflutete das Land und schuf den riesigen See.
Heute wird der Sewansee als die "Blaue Perle Armeniens" bezeichnet, seine Gewässer wechseln ihre Farbe mit dem Himmel – von tiefem Türkis zur Mittagszeit bis zu silbernen und goldenen Tönen bei Sonnenuntergang. Armenische Legenden: Geheimnisse von Bergen und Tempeln: Sewansee

Sewansee

Reisetipp: Besuchen Sie das Kloster Sewanawank, das auf einer Halbinsel steht, die einst eine Insel im See war. Die Ausblicke von hier sind besonders beeindruckend bei Sonnenuntergang, wenn das Wasser in warmen Farben leuchtet.
Wussten Sie schon? In fast 2000 m Höhe über dem Meeresspiegel ist der Sewansee einer der größten hochgelegenen Süßwasserseen der Welt.

Kloster Hajrawank: das Wunder der Tauben

Während der Invasion Armeniens durch Tamerlan erkrankte der gnadenlose Eroberer schwer. Ein Priester aus Hajrawank bot an, ihn unter einer Bedingung zu heilen: Tamerlan sollte so viele Gefangene freilassen, wie in das Kloster passten, und anschließend Armenien verlassen. Der Eroberer stimmte zu, und der Priester stellte seine Gesundheit wieder her. Als der Moment der Freilassung kam, geschah ein Wunder – 70.000 Gefangene betraten das Kloster, verließen es jedoch als Tauben und flogen in ihre Heimat zurück. Als Tamerlan dieses Wunder sah, wurde er von Furcht ergriffen und verließ Armenien für immer.
Armenische Legenden: Geheimnisse von Bergen und Tempeln: Kloster Hajrawank

Kloster Hajrawank

Reisetipp: Das Kloster Hajrawank bietet atemberaubende Ausblicke auf die "Blaue Perle Armeniens". Besuchen Sie es bei Sonnenuntergang, wenn der leuchtende Himmel die Farben der Legende widerspiegelt.
Wussten Sie schon? "Hajrawank" bedeutet "Kloster des Vaters", und seine schlichte, aber kraftvolle Steinkirche stammt aus dem 9. Jahrhundert.

Friedhof von Noratus: das Tal der tausend Chatschkare

An den windgepeitschten Ufern des Sewansees liegt Noratus, die größte Sammlung von Chatschkaren (Kreuzsteinen) der Welt. Reihe um Reihe dieser kunstvoll gemeißelten Steine erstreckt sich über die Landschaft, jeder einzelne ist ein stilles Gebet, in Stein gemeißelt.
Eine lokale Legende erzählt, dass die Dorfbewohner, als der Eroberer Tamerlan in Armenien vorrückte, Helme auf die Chatschkare setzten. Aus der Ferne sahen die steinernen Kreuze wie eine riesige Armee von Soldaten aus. Aus Angst, zahlenmäßig unterlegen zu sein, zog sich Tamerlan zurück und ließ das Dorf unversehrt.
Armenische Legenden: Geheimnisse von Bergen und Tempeln: Friedhof von Noratus

Friedhof von Noratus

Reisetipp: Besuchen Sie den Friedhof bei Sonnenuntergang, wenn das goldene Licht die feinen Schnitzereien der Steine hervorhebt und das ganze Feld wie von Erinnerung erfüllt scheint.
Wussten Sie schon? Die Kunst der armenischen Kreuzsteine ist in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen und würdigt ihre künstlerische Qualität und spirituelle Symbolik.

Tempel von Garni: heidnische Echos der Sonne des Gottes Mihr

Bevor Armenien als erstes Land das Christentum annahm, war es ein Land heidnischer Götter und Sonnenverehrer. Der Tempel von Garni, erbaut im 1. Jahrhundert n. Chr., war Mihr, dem Gott des Lichts, der Wahrheit und der Sonne, gewidmet. Er ist der einzige erhaltene Tempel im griechisch-römischen Stil in der gesamten Region.
Der Legende nach wurden nach der Annahme des Christentums in Armenien im Jahr 301 n. Chr. die meisten heidnischen Tempel zerstört, doch Garni blieb verschont, da er als königliche Sommerresidenz diente. Seine Säulen ragen noch immer hoch in den Himmel und erinnern an eine Welt, die hier einst blühte.
Armenische Legenden: Geheimnisse von Bergen und Tempeln: Tempel von Garni

Tempel von Garni

Reisetipp: Verbinden Sie den Besuch des Tempels mit einem Spaziergang durch die Garni-Schlucht, bekannt als die "Symphonie der Steine". Die Basaltfelsen der Schlucht ähneln einer riesigen Orgel und bilden eines der einzigartigsten Naturwunder Armeniens.
Wussten Sie schon? Der Tempel stürzte 1679 bei einem Erdbeben ein, wurde jedoch im 20. Jahrhundert unter Verwendung originaler Steine wieder aufgebaut.

Kloster Tatew: das Wunder des fliegenden Mönchs

Am Rand der Worotan-Schlucht gelegen, zieht das Kloster Tatew seit über tausend Jahren Reisende und Pilger an. Sein Name ist mit einem Wunder verbunden: Ein Mönch sprang während der Bauarbeiten, während er um göttliche Hilfe betete, von den Klippen und rief "Ta tew!" – "Gib mir Flügel!" Der Legende nach wurde er in Sicherheit getragen, und das Kloster erhielt seinen Namen.
Tatew wurde zu einem spirituellen Zentrum und zu einer der ältesten Universitäten der Region, an der Wissenschaft, Philosophie und Kunst gelehrt wurden. Hier entwickelten sich Glaube und Wissen Seite an Seite. Armenische Legenden: Geheimnisse von Bergen und Tempeln: Kloster Tatew

Kloster Tatew

Reisetipp: Schon die Anreise nach Tatev ist ein Erlebnis für sich. Die "Seilbahn Flügel von Tatew", die längste reversible Seilbahn der Welt, gleitet fast 6 km über die Vorotan-Schlucht und bietet unterwegs spektakuläre Ausblicke.
Wussten Sie schon? Das Kloster beherbergt eine einzigartige "Gawazan"-Säule – eine schwingende Säule, die sich bei Erdbeben bewegte und die Mönche vor Gefahr warnte. Die Einheimischen nannten sie ein "Wunder der Ingenieurskunst".

Kloster Geghard: der Speer des Schicksals

Wenige Orte in Armenien verbinden Geschichte und Legende so wie das Kloster Geghard. Sein Name bedeutet "Speer" und bezieht sich auf die Heilige Lanze, die der Überlieferung nach die Seite Jesu Christi bei der Kreuzigung durchbohrte. Der Tradition zufolge wurde der Speer vom Apostel Thaddäus nach Armenien gebracht und über Jahrhunderte in Geghard aufbewahrt, wodurch es zu einem bedeutenden Wallfahrtsort wurde.
Teilweise in den Fels gehauen, besitzen seine Felsenkapellen eine Atmosphäre, die zugleich heilig und geheimnisvoll wirkt. Wenn hier Chöre singen, verstärkt die Akustik die Stimmen so sehr, dass es scheint, als würden die steinernen Wände selbst den Klang tragen. Armenische Legenden: Geheimnisse von Bergen und Tempeln: Kloster Geghard

Kloster Geghard

Reisetipp: Viele Touren kombinieren den Besuch des Klosters Geghard mit dem Tempel von Garni an einem einzigen Tag. Das ist eine einfache Möglichkeit, Armeniens christliches Erbe und seine vorchristliche Vergangenheit gemeinsam zu entdecken.
Wussten Sie schon? Während der originale Speer heute im Museum "Schätze von Etschmiadsin" aufbewahrt wird, bleibt Geghard aufgrund seiner bemerkenswerten Mischung aus Architektur, Geschichte und Legende ein UNESCO-Welterbestätte.

Durch Armenien zu reisen bedeutet, ein Land zu betreten, in dem Geschichten Teil der Landschaft selbst sind. Berge bewahren epische Erzählungen, Seen erinnern an alte Symbole und göttliche Taten, während Klöster Wunder und Reliquien bewahren, die den Glauben der Nation geprägt haben.

Um Armenien vollständig zu erleben, schauen Sie über Steine und Landschaften hinaus und hören Sie auf die mit ihnen verbundenen Legenden. Jeder Ort trägt eine Stimme aus der Vergangenheit in sich, die der Reise Tiefe und dem, was Sie sehen, Bedeutung verleiht. Bringen Sie Neugier und Vorstellungskraft mit und lassen Sie die Mythen Armeniens Ihren Weg leiten.
Marianna Kosakyan

Marianna Kosakyan

Stellvertretende Direktorin von "Hyur Service"

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