Oshakan ist einer der ehrwürdigsten Orte Armeniens, an dem sich Geschichte und Spiritualität zu einer untrennbaren Einheit verbinden. Erste Erwähnungen stammen aus dem 5. Jahrhundert, als im Jahr 440 Fürst Vahan Amatuni die Bestattung von Mesrop Mashtots, dem Schöpfer des armenischen Alphabets, veranlasste.
Das armenische Alphabet entstand mehr als ein Jahrhundert nach der Annahme des Christentums als Staatsreligion in Armenien, als die einheimische Bevölkerung, die die griechischen und aramäischen Liturgien nicht verstand, noch heidnisch war. Um das Christentum unter den Menschen zu verankern, war es daher notwendig, die Bibel ins Armenische zu übersetzen. Diese Übersetzung wurde von Maschtoz initiiert, der seit Jahrhunderten als Heiliger der Armenischen Apostolischen Kirche verehrt wird. Über seinem Grab wurde zunächst eine kleine Kapelle errichtet, und Jahrhunderte später, im 19. Jahrhundert, entstand hier eine majestätische Kirche zu Ehren des heiligen Mesrop Mashtots. Seither gilt Oshakan als Heiligtum für jeden Armenier, denn hier beginnt das schriftliche Erbe der Nation.
Jeden September versammeln sich Schulkinder mit ihren Eltern an diesem Ort, und die Erstklässler legen am Grab von Mashtots ein feierliches Gelöbnis ab, die Traditionen ihrer Muttersprache zu bewahren und fortzuführen. Die Atmosphäre des Ortes ist von tiefer Empfindung durchdrungen: spürbar ist nicht nur die Last der Jahrhunderte, sondern auch das lebendige Band zwischen den Generationen. Die steinernen Mauern der Kirche tragen die Stille der Gebete und das Flüstern der Dankbarkeit all jener, die den großen Erzieher verehren.
Oshakan ist längst mehr als nur ein Dorf – es ist ein Symbol geistiger Beständigkeit, wo jeder Schritt an die Größe der armenischen Schrift und an den Mann erinnert, der sie seinem Volk schenkte.