Nur acht Kilometer von Goris entfernt liegt Khndzoresk – ein Dorf, in dem die Natur selbst zur Architektin wurde. Anstelle gewöhnlicher Häuser prägen in die Felsen geschlagene Höhlenwohnungen ein Labyrinth aus Stein, und die Wege ziehen sich über Hänge, die nie eben waren.
Das alte Khndzoresk, aus Nebel und Stein geformt, bot über Jahrhunderte hinweg Menschen eine Heimat, die mit der strengen, doch großzügigen Natur im Einklang lebten. Diese historische Höhlensiedlung ist bekannt für ihre natürlichen und künstlichen Höhlen, vier Kirchen und drei Schulen und beherbergte einst bis zu 15000 Menschen. Sie nutzten ein ausgeklügeltes System aus Seilen und Leitern, um die verschiedenen Teile des Dorfes zu erreichen.
Von 1722 bis 1730 wurde Khndzoresk zu einer uneinnehmbaren Festung der Befreiungsbewegung von Syunik. Seine Schluchten und Klippen verwandelten sich in natürliche Wehrmauern, hinter denen sich die Freiheitskämpfer verbargen. Hier fand der große Heerführer Mkhitar Sparapet seine letzte Ruhe – neben ihm seine treue Ehefrau Gohar und ihr Sohn Aaron. Ihre Namen hallen bis heute in den stillen Höhlen wider, wie Symbole ewiger Treue und Tapferkeit.
Heute führt eine neue Attraktion ins alte Dorf – eine Hängebrücke, die über der Schlucht schwebt wie ein Pfad zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie ist 160 Meter lang, 1.5 Meter breit, 63 Meter hoch, wiegt 14 Tonnen und kann gleichzeitig bis zu 700 Menschen tragen. Von hier eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf das steinerne Labyrinth des alten Khndzoresk, wo Natur und Geschichte zu einem einzigen Monument der Ewigkeit verschmelzen. Von dort aus kann man die Kirchen von Khndzoresk und die Quelle der "Neun Kinder" sehen.