Unter den Schätzen der Provinz Aragatsotn nimmt die Kirche Karmravor einen besonderen Platz ein – klein an Größe, doch von erstaunlicher Harmonie, die wie durch ein Wunder nahezu unverändert bis heute erhalten blieb. Hinter ihrer Bescheidenheit verbirgt sich Größe: Forscher vermuten, dass sie einst als Privatkapelle eines Fürstengeschlechts diente, was ihr einen besonders intimen Charakter verleiht.
Der Name Karmravor, "die Purpurne", geht auf die einst leuchtenden Dachziegel zurück, die im Sonnenlicht glänzten wie edler Stoff. Ihre niedrigen Mauern und die zarte Kuppel beeindrucken durch vollkommene Proportionen – ein Beispiel dafür, wie armenische Meister Schlichtheit und tiefe Spiritualität zu vereinen wussten.
Anders als viele Bauwerke blieb Karmravor fast ohne Umbauten oder Restaurierungen erhalten und ist damit eines der seltenen authentischen Beispiele frühmittelalterlicher Architektur. Hier gibt es keine übermäßige Monumentalität – nur ein stilles Gebet aus Stein, erfüllt von Wärme und Aufrichtigkeit.
Heute ist Karmravor eines der ergreifendsten Zeugnisse der armenischen spirituellen Kultur. Wer vor dem schlichten Eingang steht, kann sich leicht vorstellen, wie hier vor Jahrhunderten Fürsten und ihre Familien zusammenkamen, um in dieser kleinen Kirche zu beten – einem ewigen Symbol für Demut und Reinheit des Glaubens.